WM 2026
3 Gastgeberländer. 48 Teilnehmer. Diese WM war bereits vor ihrem Beginn historisch, war sie die bis dato größte.
Größer = besser? Eine neue Ära
Das Eröffnungsspiel hätte passender nicht gelost werden können, gab es eine Parallele zu 2010. Exakt auf den Tag genau sechzehn Jahre später trafen Mexiko und Südafrika erneut aufeinander, doch dieses Mal waren erstere Co-Gastgeber. Es sollte auch dieselbe Anzahl an Toren fallen wie damals. Doch das Spiel sollte aus anderen Gründen in die Geschichte eingehen: Erstmals gab es in einem Eröffnungsspiel drei rote Karten, zwei davon für die Südafrikaner, die zwischenzeitlich zu neunt gegen elf spielen mussten. Der 2:0 Sieg der Mexikaner, deren Auftakt gelungen war, geriet beinahe zur Nebensache.
Das andere Spiel der Gruppe verlief nicht weniger denkwürdig. Spektakulär war das erste Tor durchaus, wurde es von einem Einwurf erzielt. Die Freude des WM-Rückkehrers Tschechien währte jedoch nicht lange. Südkorea drehte das Spiel und sicherte sich drei Punkte. Zur Herausforderung wurden jedoch die ungünstigen Anstoßzeiten aufgrund der Zeitverschiebung, die ein Verfolgen der meisten Spiele unmöglich machte.
Weiter ging es mit dem nächsten Gastgeber, Kanada. Die hatten jedoch zunächst einen Rückstand zu beklagen gegen einen anderen Rückkehrer, Bosnien & Herzegowina. Das Tor war bereits gefallen, als wir kurz einschalteten. In der zweiten Halbzeit, die wir nicht mehr verfolgten, gelang ihnen der Ausgleich und so trennten sie sich mit einem Unentschieden.
Der dritte Gastgeber, USA, machte es besser. Zunächst waren sie jedoch durch ein Eigentor in Führung gegangen. Nachdem ein Spieler sich zunächst zu früh gefreut hatte, nachdem sein Treffer aberkannt wurde, schoss er gleich zwei Tore. Paraguay kam mit einem Tor wieder heran, doch dann setzten die Amerikaner mit einem vierten Tor den Schlusspunkt.
Das zweite Spiel der Kanada-Gruppe war das erste, das wir vollständig gesehen hatten – und war für mich bereits die erste Enttäuschung. Trotz Nichtnominierung meines Schweizer Beaus, die natürlich ein Dämpfer gewesen war, drückte ich der Schweiz die Daumen, die auch als klarer Favorit galt. Die Führung gelang ihnen allerdings nur durch einen Elfmeter, der viel diskutiert wurde. Der Chancenwucher konnte jedoch nicht genutzt werden. Es ist gewissermaßen ein Fluch, wenn ich mich für eine Mannschaft parteiisch zeige, und das sollte sich leider erneut bewahrheiten. Den sichergeglaubten Sieg gegen den scheinbar schwächsten Gegner verspielten sie in der Nachspielzeit. Da wünschten sie sich bestimmt, sie wäre zwei Minuten kürzer gewesen. Dass meine Schwester den Treffer auch noch bejubelte, wurmte mich extrem – er könnte noch teuer werden! Noch ärgerlicher, dass er nachträglich als Eigentor gewertet wurde. Und dafür wurde mein Beau zuhause gelassen! Immerhin waren durch das Unentschieden im anderen Gruppenspiel alle Länder auf demselben Stand wie zuvor und somit noch alles offen. Doch der Sieg war gerade in diesem Spiel Pflicht gewesen, hatte Katar als leichtester Gegner gegolten.
Im nächsten Spiel traf das Überraschungsteam der letzten WM auf den Rekordweltmeister. Marokko schlug sich gegen Brasilien gut und so gab es bereits das dritte Unentschieden im sechsten Spiel.
Schottland glückte die Rückkehr zur WM, die sich durch einen knappen Sieg gegen Außenseiter Haiti vorerst die Tabellenführung holten. Die schweren Gegner warteten jedoch erst noch.
Trost für die Schweiz: Sie waren nicht die einzige Enttäuschung an dem Tag. Ihr WM-Comeback hatten sich die Türken anders vorgestellt! Sie ließen sogar noch mehr Chancen liegen als die Schweiz und konnten gar kein Tor erzielen. Stattdessen mussten sie zwei Gegentore der Australier hinnehmen. Zuvor hatten sie noch große Töne gespuckt. Somit hatte die Türkei noch keins ihrer Auftaktspiele bei einer WM gewonnen.
Neuling Curaçao wanderte indes auf den Spuren Brasiliens... im WM-Halbfinale 2014. Der Gegner in beiden Fällen? Deutschland. Und das Ergebnis war bei beiden Spielen gleich, nur dass Curaçao im Gegensatz zu Brasilien nicht ausschied. Die feierten ihren ersten Treffer, als wäre es ein Sieg, womit sie an Panama 2018 erinnerten. Immerhin sahen sie es positiv. Aufgrund eines Kommunikationsfehlers verpassten wir die erste Halbzeit, aber das Ergebnis hatte ich dennoch verfolgt. Zu einer lustigen Szene kam es, als ein Curaçao-Spieler den Ball ins Tor bugsierte und eine Zuschauerin komplett ausrastete, obwohl der Treffer nicht zählte. Eine Niederlage in einem der nächsten zwei Gruppenspiele könnte ich sogar verschmerzen. Ich möchte nämlich ungern Frankreich im Achtelfinale begegnen.
Die Unentschieden setzten sich im nächsten Gruppenspiel, das nicht im Fernsehen gezeigt wurde, fort. Allerdings waren doppelt so viele Tore gefallen wie in den vorherigen Remis. Den Ausgleich gegen die Niederlande habe ich Japan definitiv gegönnt.
Ein Unentschieden konnten unsere Gruppengegner gerade noch verhindern, in buchstäblich letzter Minute. Schweden schlug indes Tunesien überraschend deutlich.
Im dreizehnten Spiel folgte die bis dahin vermutlich größte Blamage des Turniers. Ein einseitiges Torfestival wurde erwartet. Tatsächlich konnte Spanien gegen Debütant Kap Verde kein einziges Tor erzielen. Hochmut kommt vor dem Fall? Selbst ihre Weltmeister-Mannschaft von 2010 hätte mehr Tore geschossen und die haben maximal zwei pro Spiel geschafft. Wo wir schon dabei sind... Die neue Nummer 7 ist eine absolute Beleidigung gegen die damalige. Die Kap Verdier feierten das Unentschieden wie einen Sieg.
Europäische Mannschaften hatten keinen guten Start, und Belgien war keine Ausnahme. Sie verhinderten eine Niederlage nur durch ein erzwungenes Eigentor. Es war das nächste Unentschieden mit zwei Toren, das wohl beliebteste Ergebnis bisher.
Und das sollte es auch im nächsten Spiel geben. Auch für süd- und mittelamerikanische Mannschaften lief es nicht gut, hatte noch keine von ihnen gewonnen. Saudi Arabien erwies sich erneut als Südamerika-Schreck und rang Uruguay, anders als bei der WM 2018, ein unentschieden ab. Zum fünften Mal lautete das Ergebnis 1:1.
Und auch das letzte Spiel des Spieltages endete in einem Unentschieden. Wollte denn keiner gewinnen?
Am sechsten Spieltag kam es zu einer weiteren Neuauflage eines Eröffnungsspiel, dieses Mal 2002. Frankreich holte sich die Revanche an Senegal und war erst die vierte europäische Mannschaft, die ihr Spiel gewinnen konnte. Das Spiel hätte ich mir durchaus angesehen, aber es lief leider nicht im Fernsehen.
Den MOAT (eine selbstkreirte Ableitung von GOAT, kurz für Most overrated (of) all time) konnte ich nicht mehr ertragen. Er hätte einfach zurücktreten sollen, als er es angedroht hat. Eigentlich hätte er sogar eine rote Karte bekommen müssen, aber bei ihm gelten wohl keine Regeln. Es ist fast so, als hätte Algerien es nicht einmal probiert. Das grenzte schon an Schiebung und Arbeitsverweigerung.
Für Europa wendete sich das Blatt. Auch die nächsten beiden Mannschaften waren ungeschlagen. Iraq war derweil die erste Mannschaft aus Asien, die ihr Spiel verlor. Debütant Jordanien folgte. Die weiße Weste war vorüber.
1:1 ist das neue 0:0
Nach einem ganzen Spieltag ohne Unentschieden setzte es sich am nächsten Tag fort – und auch der war eine Überraschung. DR Kongo rang Portugal ein unentschieden mit dem beliebtesten Ergebnis des Turniers ab. Diese hatten vor dem Spiel einem verstorbenen Teamkollegen gedacht. Eine lustige Szene gab es, als ein Zuschauer nach einem vermeintlichen Führungstreffer feierte und die Kamera noch auf ihn zeigte, als er verstand, dass das Tor nicht zählte. Es wäre ein schönes gewesen.
Ein Unentschieden hätte mich im nächsten Spiel nicht überrascht. Stattdessen wurde es eins der torreichsten der WM. Es war das erste Mal, dass zwei europäische Mannschaften aufeinander trafen. Beide konnten somit nicht gewinnen. England holte sich erneut die Revanche gegen Kroatien für das Halbfinale 2018.
Als einziger ex-sowjetischer Vertreter drückten wir Debütant Usbekistan die Daumen. Das erste Spiel mitten in der Nacht verloren sie jedoch 1:3, aber immerhin hatten sie schon einen Treffer zu verbuchen. Andere Länder konnten das nicht von sich behaupten. Damit war die erste Runde beendet.
Im ersten Spiel der zweiten Runde gab es erneut das beliebteste Ergebnis des Turniers. Beide Mannschaften standen somit vor dem Aus.
Die Schweiz fertigte Bosnien und Herzegowina mit 4:1 ab. Nach ihrem misslungenen Start hatten sie sich beweisen können. Dabei waren alle Tore erst in der zweiten Halbzeit gefallen, allesamt im letzten Viertel. Ließen die Schweizer normalerweise in der zweiten Hälfte nach, hatten sie dieses Mal den Turbo gezündet – auch dank den Auswechslungen. Vier Punkte waren schon einmal eine gute Voraussetzung. Leider fiel jedoch ausgerechnet dieses Spiel der Bezahlbank zum Opfer, war es nicht im Fernsehen zu sehen.
Die Tabellenführung hielten die Schweizer nicht lange. Katar zerfiel gegen Kanada in seine Einzelteile und kassierte eine deutliche Niederlage. Ausgerechnet das Eigentor machte für die Schweiz den Unterschied. Im nächsten Spiel, das sie beide bestritten, entschied sich der Gruppensieger. Wollte die Schweiz ihn, musste sie gewinnen. Obwohl der zweite Platz eventuell einen leichteren Gegner im Sechzehntelfinale bot, weshalb es vielleicht doch nicht so schlecht war. Katar leistete Südafrika zweifelhafte Gesellschaft – mit zwei roten Karten. Für Kanada war es der erste Sieg bei einer WM überhaupt, der von einer Verletzung überschattet wurde.
Als erstes für die KO-Phase qualifizierte sich Mexiko. Dank einer neuen Regelung war ihnen sogar der Gruppensieg nicht mehr zu nehmen. Bescheuerte Regel, Tordifferenz sollte immer Kriterium Nummer 1 sein.
Was ich auch nicht verstehen konnte: Warum USA in Gruppe D war, wenn sie immer vor Gruppe C spielten? Warum dann nicht gleich Gruppe C? Im Soccer-Duell duellierten sich die zwei Teams, die ihr erstes Spiel jeweils gewonnen hatten. Dieses Mal konnte es jedoch nur einen Sieger geben und das waren die Gastgeber, die Mexiko somit in die KO-Runde folgten.
Es war der Abend der Zu-Null-Ergebnisse. Kurios: Alle Tore fielen in der ersten Halbzeit. Erst holte sich Marokko einen knappen Sieg mit einem frühen Tor, dann schnappte sich Brasilien die Tabellenführung.
Drama derweil in Gruppe D: Als zweite Mannschaft nach Haiti schied die Türkei aus, die vorher noch selbstbewusst gewesen waren, dass sie weit kommen konnten. Doch eine Niederlage gegen Paraguay besiegelte ihr Ausscheiden. Der zweite Platz entschied sich zwischen Australien und Paraguay. Das hätte wohl niemand gedacht.
5:1 hieß es erneut in einem Schweden-Spiel, dieses Mal allerdings nicht für Schweden. Den Sieg im europäischen Duell sicherte sich die Niederlande.
Es ging direkt weiter mit orangenen Trikots im nächsten Spiel. In diesem war ein Unentschieden mein Wunschergebnis. Eine Niederlage wollte ich vorerst nicht riskieren. Die Partie verlief nicht ohne Drama: Ein vermeintlicher Führungstreffer zählte nicht. Ich hatte auch geahnt, dass es kein Tor sein würde, da der Jubel ausblieb. Dann folgte der Rückstand. Der vermeintliche Ausgleich wurde ebenfalls nicht gegeben. Allerdings waren beide Entscheidungen regelkonform. Mit dem Rückstand ging es in die Halbzeitpause. Dann zog die Schweiz-Taktik: Den Unterschied machten zwei Einwechselspieler – deren Rückennummern zufälligerweise 2026 ergaben – die den Ausgleich herbeizauberten. Mit dem Unentschieden wäre ich durchaus zufrieden gewesen, und ich hätte gedacht, es bleibt bei dem Ergebnis. Doch dann folgte doch noch der Siegtreffer. Ob ich damit glücklich war, wusste ich nicht. Denn nun musste ich darauf hoffen, dass Frankreich nicht Gruppenerster wurde. Stand jetzt waren sie Zweiter, und ein frühes Aufeinandertreffen somit ausgeschlossen. Aber es konnte sich eben noch ändern.
Ecuador enttäuschte mich, denn aufgrund eines torlosen Unentschiedens gegen den einwohnertechnisch kleinstem Teilnehmer jemals, bei dem der Torwart einen Paradenrekord aufstellte, standen wir als Gruppensieger fest. Das hatte ich so eigentlich nicht vorgesehen. Auf Frankreich wollte ich auf keinen Fall im Achtelfinale treffen. Diese verfluchte Einteilung! Deshalb wollte ich lieber ein Unentschieden! Mein Wunsch war eigentlich Viertelfinale.
Japan gegen Tunesien war historisch, war es das tausendste WM-Spiel. Für letztere war es nach einer erneuten vier-Tore-Niederlage bereits das Aus.
Mein Wunsch war, dass entweder Argentinien oder Spanien Gruppenzweiter wurden und sich somit bereits im Sechzehntelfinale trafen. Leider würde das jedoch eine Wunschvorstellung bleiben. Am liebsten wär's mir, wenn sie sich gegenseitig rauskegelten. Immerhin traf mein Hassspieler aus Spanien nicht, das war Balsam für meine Seele. Welch Schadenfreude, dass sein Tor aberkannt wurde. Das geschieht ihm Recht! Und das Tor unseres neuen Staatsfeinds, der bei der EM unser Ausscheiden besiegelt hat, wurde als Eigentor gewertet. Karma!
Es war die WM der Torhüter. Nach Kap Verde und Curaçao glänzte auch der iranische Torwart. Sie brachen den Rekord für die älteste Startelf aller Zeiten. Fast wäre dem Iran sogar eine Sensation gelungen, doch der vermeintliche Führungstreffer wurde aberkannt – aufgrund eines kuriosen Abseits. So war es das dritte torlose Spiel. Die Belgier enttäuschten auf ganzer Linie. Ihr einziges Tor bisher haben sie nicht selbst erzielt. Die Gruppe blieb damit offen.
Ich setzte all meine Hoffnungen auf Uruguay – und wurde enttäuscht. Immerhin: Wenn sie noch sicher die nächste Runde erreichen wollen, müssen sie gegen Spanien liefern. Und die spanischen Tore waren allesamt aus kurzer Distanz, also wenig beeindruckend. In einer schockierenden Wendung ging Kap Verde in Führung. Auf der Inselgruppe gab es kein Halten mehr! Innerhalb weniger Minuten konnte Uruguay das Spiel drehen. Das nutzte ihnen jedoch nichts, da Kap Verde in der zweiten Halbzeit ausglich. Das vermeintliche Siegtor für Uruguay wurde annulliert, und so schaffte Außenseiter Kap Verde die nächste Überraschung. Zum 13. Mal hieß es: Unentschieden. Im Gegensatz zu Spanien konnte Uruguay immerhin den Torwart bezwingen.
Nach Kanada holte sich auch Ägypten ihren ersten WM-Sieg, dabei hatten sie zunächst zurückgelegen. Neuseeland widerum war erstmals seit 2010 geschlagen. Ägypten holte sich somit völlig überraschend die vorläufige Tabellenführung, und der Einzug in die KO-Runde war mit vier Punkten wahrscheinlich.
In Gruppe I wurde für klare Verhältnisse gesorgt. Das erste Spiel begann zu deutscher Zeit leider zu spät, ich hätte es mir sonst angeschaut. Es hätte aber ohnehin nur für eine Halbzeit gereicht, da das Spiel aufgrund starkem Gewitters für zwei Stunden unterbrochen wurde. Frankreich feierte einen klaren Sieg und erreichte die KO-Runde.
Das tat auch Norwegen, obwohl Senegal sich nicht geschlagen geben wollte. Das nächste Spiel entschied den Gruppensieger, während Senegal und Irak um den dritten Platz und eine Restchance kämpften.
Im arabischen Duell schied Jordanien aus, nachdem Algerien ihre Leistung gegen Argentinien wieder gut machte. Es wartete das direkte Duell gegen Österreich um den zweiten Platz.
Unsere Unterstützung galt weiterhin Usbekistan, doch die bekamen es leider mit dem stärksten Gegner der Gruppe zu tun. Aufgrund der günstigen Uhrzeit konnten wir sogar einen Großteil des Spiels schauen, hauptsächlich die zweite Hälfte. Nach zwanzig Minuten lag Usbekistan bereits mit 2 Toren zurück. Ein vermeintlicher Anschlusstreffer zählte aufgrund Foulspiels leider nicht. Was für ein Hammer-Tor das gewesen wäre! Als wir erneut einschalteten, hatte Portugal ihre Führung bereits durch ein weiteres Tor erweitert. Wir konnten nur hilflos dabei zusehen, wie die Usbeken auch noch ein Eigentor erzielten. Über den Eigentorschützen war man sich zunächst nicht ganz einig. Es sollte nicht das letzte Tor der Partie bleiben. Wir hatten Usbekistan zumindest ein Trosttor gewünscht, den aberkannten Treffer hatten wir nicht gesehen. Meine Mutter, vielleicht mit rosaner Brille, meinte, sie hätten gut gespielt.
Für England gab es bei Ghana kein Vorbeikommen. Kurios: Ein Voodoomeister hatte zuvor angekündigt, einen Fluch auf die Engländer zu legen. Die Verlierer des ersten Spieltags, Kroatien und Panama, waren bereits unter Zugzwang. Ein Sieg war Pflicht und eine Niederlage verboten. Nach einer ereignislosen ersten Hälfte reichte Kroatien ein knapper Sieg, während Panama ausschied.
Kolumbien holte sich die Tabellenführung zurück und den Einzug in die KO-Phase. Der Gruppensieger entschied sich im nächsten Spiel. Somit war die zweite Runde beendet.
Den Showdown in Gruppe B hätte ich gerne geschaut, aber es fanden sich keine Mitgucker. Am Ende wurde es noch einmal knapp, doch die Schweiz rettete den Sieg über die Zeit und holte sich den Gruppensieg. Sie hatten im Vorfeld ohnehin mit sieben Punkten gerechnet und das wurde erreicht. Auch Kanada durfte jubeln, überstanden sie erstmals die Gruppenphase. Somit hatten es alle Gastgeber geschafft.
Bosnien und Herzegowina wahrte sich mit nun vier Punkten die Chance auf die KO-Runde – allerdings mit Schützenhilfe von Katar und ihrem zweiten Eigentor. Katar erzielten dennoch auch ihr erstes (und letztes) reguläres Tor. Nach den nächsten zwei Spielen stand es bereits fest: Aus Gruppe B qualifizierten sich drei Mannschaften.
In Gruppe C ging Haiti überraschend gegen Marokko in Führung. Es war allerdings ein Torwart-Eigentor, das zweite des Turniers innerhalb kurzer Zeit. Nach dem Ausgleich schoss Haiti immerhin noch selbst ein Tor. Sie gingen somit nicht torlos. Marokko drehte in der zweiten Hälfte auf und schoss erstmals mehr als ein Tor in dieser WM.
3:0 schien Brasilien zu gefallen. Für Schottland wurde es aufgrund der negativen Tordifferenz eng. Wahrscheinlich reichte es nicht für ihre erste KO-Runde. Dabei hatten sie noch Glück, dass ein Tor wegen eines Foulspiels aberkannt wurde. Die Gruppe war so ausgegangen, wie ich es erwartet hatte: Punktgleichheit bei Brasilien und Marokko, aber ein besseres Torverhältnis für erstere. Ein mögliches Viertelfinale Frankreich gegen Marokko stimmte mich jedoch nicht glücklich. Eigentlich würde ich gerne eine Wiederholung des WM-Halbfinals von 2022 sehen.
In Gruppe A konnte bis auf Gruppensieger Mexiko noch jeder ausscheiden. Es ging somit um viel. Doch in der ersten Halbzeit wollte niemand Tore schießen. Dabei mussten Tschechien und Südafrika doch gewinnen, um es in die KO-Runde zu schaffen. Als erstes brach Mexiko den Bann, die weiterhin auf ein Gegentor warteten. Es folgten zwei weitere.
Im Süd-Duell gewann unerwartet Südafrika und erreichte erstmals die KO-Phase. Südkorea musste somit zittern, hatten jedoch einen Vorteil gegenüber Schottland.
Im letzten Gruppenspiel stand für uns nichts mehr auf dem Spiel. Sogar eine Niederlage würde an der Ausgangslage nichts ändern. Hätte Ecuador drei Punkte auf dem Konto, sähe es anders aus. Vielleicht hatte ich das Unheil kommen sehen, indem ich vor der Partie sagte, Ecuador müsste gewinnen, um nicht auszuscheiden. Im Glauben, dass in den ersten Minuten ohnehin nichts passierte, schaltete unsere Mutter kurz um. Falsch gedacht, denn nach zwei Minuten gingen wir bereits in Führung. Das Tor war jedoch durchaus diskussionswürdig. Lange hielt die Führung nicht, denn sechs Minuten später glich Ecuador mit ihrem ersten Tor des Turniers aus. Im Parallelspiel ging derweil die Elfenbeinküste in Führung. Das Unentschieden nahmen wir in die Pause mit. Es reichte Ecuador jedoch nicht, mit zwei Punkten wäre man ausgeschieden. Und so kam es, wie es kommen musste: Ecuador holte sich die Führung. Dabei blieb es auch und Ecuador konnten ihr Glück kaum fassen. Mit vier Punkten war ihr Einzug in die KO-Runde besiegelt. Die Elfenbeinküste holte sich den zweiten Platz in der Gruppe. Meine Mutter war in Rage und hatte genug gesehen.
Tunesien schied mit null Punkten krachend aus, während sich die Niederlande den Gruppensieg sicherte. Japan und Schweden arrangierten sich mit einem Unentschieden, von dem beide profitierten.
Das taten auch Australien und Paraguay. Keiner wollte ein Tor schießen. Letztere waren somit ein potentieller Gegner, aber noch nicht offiziell in der KO-Runde. Das war jedoch nur eine Frage der Zeit. Die Türkei siegte zum Abschluss gegen eine B-Mannschaft der USA, auch wenn es nur noch um die Ehre ging.
Das letzte, alles entscheidende Gruppenspiel von Frankreich hätte ich auch gerne geschaut, aber leider fanden sich erneut keine Mitgucker. Sie spielten auch für ihren Trainer, der einen Trauerfall erlitten hatte und deswegen nicht unterstützend zur Seite stehen konnte. Norwegen rotierte wie angekündigt – Frankreich jedoch nicht. Vielleicht ein Nachteil? Die Vermutung liegt nahe, denn Frankreich überrolte Norwegen mit 4:1 – unter anderem mit einem Hattrick des amtierenden Weltfußballers. Mit gewöhnlicher Startelf wäre es möglicherweise knapper ausgegangen. Es war nicht das Ergebnis, das ich mir erhofft hatte, denn nun erwarteten sie uns möglicherweise im Achtelfinale.
Senegal schoss sich gegen Irak in einen Rausch und holte sich den ersten Sieg. Sie mussten noch zittern, hatten gegen Südkorea und Schottland – zufälligerweise alle mit S – jedoch das bessere Torverhältnis. Irak zeichnete sich bei mir dadurch aus, dass sie den schönsten Spieler stellten – da mein Lieblingsschweizer fehlte – der immerhin noch Spielzeit bekam. Bedauerlicherweise schnitten sie um ein Tor schlechter ab als Tunesien.
Vor sechzehn Jahren wäre die Lage anders gewesen. Doch nun war ich gegen und nicht für Spanien. Ich hätte es nur allzu lustig gefunden, wenn sie Gruppenzweiter geworden wären und im Sechzehntelfinale direkt gegen Argentinien hätten spielen müssen. Doch dazu hätte es einen Sieg Uruguays gebraucht. Zusammen mit Spanien hätten sie eigentlich die ersten zwei Plätze der Gruppe beanspruchen müssen. Was mich immerhin vertröstet hat, ist, dass mein Hassspieler wieder kein Tor erzielt hat. Er ist einer der zwei Gründe, warum ich es Spanien nicht gönne.
Der zweite Platz war jedoch eine Sensation: Kap Verde wurde zum besten Debütant und mit nur drei Punkten Gruppenzweiter, was die Nation in Ekstase versetzte. Manche Drittplatzierten hatten mehr. Sie hatten jedoch ein schweres Los gezogen. Meine Schwester verstand nicht, wieso sie mit drei Punkten weiter waren und andere nicht.
Gruppe G endete dramatisch. Drei der Mannschaften konnten noch ausscheiden. Iran wurde vom Pech verfolgt. Nach einem frühen Rückstand und einem verschossenen Elfmeter folgte der Ausgleich. Iran wollte es unbedingt. Beim vermeintlichen Siegtreffer brachen alle Dämme – doch die Freude fand ein jähes Ende, als das Tor aberkannt wurde. Für Iran begann nun eine Zitterpartie. Belgien wurde endlich den Erwartungen gerecht und holte sich doch noch den Gruppensieg. Gleichzeitig war das Warten für den Senegal vorbei. Nur noch wenige Plätze waren zu vergeben. Iran hoffte auf Schützenhilfe und appellierte an Fairplay.
Auch in Gruppe L war noch alles möglich. Nur, dass Panama bereits ausgeschieden war, stand fest. Somit hatten es aus dieser Konföderation nur die automatisch qualifizierten Gastgeber in die KO-Runde geschafft. Als einziges Team schieden sie ohne Tor aus. England sicherte sich den Gruppensieg, während Kroatien an Ghana vorbeizog. In die KO-Runde zogen jedoch alle ein. Erstmals wurde die 200-Tore-Schallmauer durchbrochen. Historisch!
Im nächsten Spiel wünschte ich Usbekistan nur eins: Dass sie zumindest noch ein Tor schossen und nicht zu viele kassierten. Ein Sieg würde ohnehin nicht reichen. Und mein Wunsch wurde wahr. Traurigerweise waren sie sogar in Führung gegangen und konnten sie bis zur Pause halten, doch danach fiel alles auseinander. Auch der dritte von vier Debütanten schied in der Gruppenphase aus. Portugal arrangierten sich nach einem torlosen Spiel mit dem zweiten Platz, was alle Hoffnungen auf ein Aufeinandertreffen mit Argentinien im Viertelfinale zerstörte. Oder war es gar Absicht gewesen? Kolumbien hätte fast noch gewonnen, wäre ihr Tor nicht hauchdünn im Abseits gewesen. Durch Kongos Sieg befand sich Iran nun auf Messers Schneide.
Algerien gegen Österreich brachte eine Brisanz mit sich – aufgrund einer Vorgeschichte, die als Schande von Gijon in die Geschichte einging. Drohte nun ein weiteres Debakel in Form einer Neuauflage? Als Österreich in Führung ging, atmete Iran kollektiv erleichtert auf. Es schien, als wollten die Mannschaften wirklich auf Sieg spielen. Doch es hielt nicht lange, da Algerien nur siebzehn Minuten später ausglich. Die nächste Führung Österreichs hielt nur fünf Minuten. Für dreißig Minuten passierte nichts und Iran lief die Zeit davon. Wie aus dem Nichts ging Algerien in der Nachspielzeit in Führung. War das die Rettung für Iran? Die Nachspielzeit war bereits abgelaufen, doch der Schiedsrichter beendete die Partie nicht. Algerien könnte die Rettung sein... wenn pünktlich abgepfiffen worden wäre. Denn dann folgte der endgültige Schock für den Iran: Österreich glich doch noch aus. Beide Mannschaften waren in der KO-Runde – auf Kosten Irans. Wie bitter! Wie mussten sich die Iraner fühlen? Sie hatten sich nach dem vermeintlichen Siegtreffer bestimmt Hoffnungen gemacht. Für Asien war die WM ein Albtraum, schieden sieben von neun aus.
Anders sah es für Afrika aus: 90% der Mannschaften hatten sich qualifiziert, nur Tunesien musste vorzeitig die Koffer packen. Dabei hatte es für sie nicht gut angefangen – unter anderem für Südafrika, die wie Kanada ihr erstes KO-Spiel bestritten. Die erste Halbzeit war im wahrsten Sinne des Wortes eine Rutschpartie. Lange fiel kein Tor – doch dann kam die Erlösung in der Nachspielzeit: Die Gastgeber durften im Turnier bleiben. Dem Torschützen gönnte ich das Tor sogar.
Ein unausgeglichener Turnierbaum
Das zweite Sechzehntelfinale konnte mit Recht als starkes Duell bezeichnet werden. Die Einteilung war wirklich nicht geglückt (während Argentiniens Turnierbaum eine reinste Farce war. Lachhaft.) Tatsächlich ging Japan in Führung, doch in der zweiten Hälfte konnte Brasilien ausgleichen. Erstmals hatte jemand anderes als in den vorherigen Spielen ein Tor erzielt. Es war schon in der Nachspielzeit und es drohte Verlängerung, als Brasilien sich doch noch erlöste. Sie waren somit weiterhin nie außerhalb der letzten 16. Asien hingegen war fast vollständig ausgeschieden.
Als nächstes folgte die Wiederholung unseres ersten KO-Spiels von 2002. Lange Zeit wollte kein Tor gelingen – bis Paraguay in Führung ging. Kaum zehn Minuten nach Wiederanpfiff gelang uns der Ausgleich, somit waren wir wieder gleichauf. Anders als in den ersten beiden KO-Spielen gelang kein Siegtreffer in der Nachspielzeit und somit ging es in die Verlängerung. Dort sollte das vermeintliche Siegtor fallen, doch es wurde aberkannt. Eine Fehlentscheidung? Ein Elfmeterschießen musste her. Die wären mir bei Spielen, wo ich neutral war, eigentlich lieber. Meine Schwester glaubte an uns, denn wir hatten noch nie eines verloren in Weltmeisterschaften. Der erste, normalerweise ein sicherer Elfmeterschütze, verschoss jedoch direkt. Kein guter Start. Hoffnung gab es erst, als ein Paraguayer auch das Tor verfehlte. Nach fünf Elfmetern stand es 3:3. Der Druck wuchs. Ausgerechnet derjenige, der beinahe den Siegtreffer erzielt hatte, verschoss gnadenlos. Der nächste Paraguayer traf, und so war es besiegelt. Wollte man vielleicht Frankreich umgehen? Hätte das Tor zählen müssen? Möglicherweise wurden wir, wie bei der EM vor zwei Jahren, erneut betrogen.
Keiner von Marokko und Niederlande sollte bereits so früh ausscheiden. Die erste Halbzeit blieb ohne Torerfolg. Der erste Torschütze hatte kurz zuvor einen schweren Verlust zu verarbeiten, dementsprechend emotional war das Tor. Marokko stand kurz vor dem Aus, doch die Nachspielzeit hatte kaum angefangen, da glichen sie schon aus. Die nächsten dreißig Minuten beachten jedoch keinen Sieger hervor und so ging es erneut ins Elfmeterschießen. Jene der Niederländer waren miserabel geschossen, doch auch die Marokkaner verfehlten. Mit Elfmeterschießen hatten sie jedoch gute Erfahrungen, hatten sie bei der vergangenen WM Spanien auf diese Weise ausgeschaltet. Und dieses Mal war es die Niederlande, die dennoch seit 2014 kein KO-Spiel mehr in der regulären Zeit verloren hatten.
Wären wir Gruppenzweiter gewesen, hätten wir gegen Norwegen gespielt. Ob das jedoch besser gewesen wäre? Denn die Elfenbeinküste verabschiedete sich aus dem Turnier. Ein Elfmeter war ihnen allerdings verwehrt worden, eine durchaus strittige Entscheidung. Nachspielzeit war dieses Mal nicht nötig gewesen.
Gruppe F hatte ein schweres Los gezogen. Japan und Niederlande waren bereits gefallen und nur Schweden verblieb. Allerdings hatten die mit Frankreich eine undankbare Aufgabe erhalten. Tatsächlich dominierten die Franzosen, die ihren Trainer wiederhatten. Gruppe F war somit bereits komplett ausgeschieden – und unserer Gruppe drohte dasselbe.
Ecuador musste gegen Mexiko ran zum lateinamerikanischen Duell. Doch der Start verzögerte sich aufgrund eines Gewitters. Für Mexiko stand weiterhin kein Gegentor zu Buche – und das sollte auch so bleiben. Sie wiederholten ihr Ergebnis aus dem Eröffnungsspiel, sogar mit denselben Torschützen. Es war der erste KO-Sieg seit 40 Jahren. Für Ecuador endete das Turnier mit einer roten Karte unrühmlich. Somit war Gruppe E die nächste, aus der keine Mannschaft verblieb.
England erlebte durch DR Kongo einen frühen Schock und konnte sich davon lange nicht erholen. Innerhalb weniger Minuten folgte jedoch der doppelte Lucky Punch, der sie ins Achtelfinale schoss.
Belgien imitierte sein Achtelfinal-Krimi von 2018. Der Ablauf war ähnlich, nur war der Gegner Senegal statt Japan. Sie lagen mit zwei Toren zurück, und bisher war eine Aufholjagd keiner Mannschaft gelungen. Aber Belgien hatte es schon damals geschafft. Innerhalb weniger Minuten, kurz vor Ende, glichen sie aus – unter anderen auch mit einem Kopfballtor. Es wiederholte sich wahrlich. Allerdings fiel der Siegtreffer diesmal nicht in der Nachspielzeit. Es sollte Verlängerung entscheiden. Kurz vor dem Elfmeterschießen wurde Belgien ein Elfmeter zugesprochen. Es war das späteste Siegtor aller Zeiten. Die Neuauflage war somit komplett, trotz satten elf Minuten Nachspielzeit.
Bosnien war das letzte verbliebene Play off-Team. Ihr Gegner waren allerdings die Gastgeber, die natürlich mit Kanada und Mexiko gleichziehen wollten. Und das gelang ihnen auch. Allerdings war der Verlauf durchaus kurios: Erst zählt das Tor nicht, dann doch ein Treffer, und dann mit rot vom Platz gestellt – und das alles beim selben Spieler. Trotz Unterzahl verdoppelten sie ihre Führung und machten damit den Einzug in die nächste Runde klar.
Keiner von Kroatien oder Portugal sollte bereits im Sechzehntelfinale ausscheiden. Für letztere war das Spiel eine emotionale Angelegenheit, jährte sich, zumindest in unserer Zeitzone, der Tod ihres Teamkollegen zum ersten Mal. Für ihn wollten sie natürlich gewinnen. In der zweiten Halbzeit ging jedoch zunächst Kroatien in Führung. Der Ausgleich wurde aberkannt, doch einige Minuten später kam er dennoch durch einen Elfmeter. Dann wurde erneut ein Tor zurückgenommen, dieses Mal für Kroatien. Es gab eine stolze Nachspielzeit von zehn Minuten obendrauf. Nach vier Minuten ging erstmals Portugal in Führung. Die Zeit war bereits überzogen, da erzielte Kroatien den Ausgleich. Oder doch nicht? Denn Kroatien hatte Pech, dass ihnen auch ein zweites Tor nicht gegeben wurde. Insgesamt drei aberkannte Tore sieht man nun wirklich nicht oft. Die Kroaten waren fassungslos! Sie hatten sich auf Verlängerung eingestellt – wobei die Nachspielzeit so lange ging wie eine Hälfte jener – und wurden im letzten Moment enttäuscht. Anscheinend hatte meine Mutter die Schlussphase gesehen, und sie fand, dass Kroatien unfair behandelt wurde.
Die Schweiz war das letzte verbliebene deutschsprachige Land. Machten sie es besser als Deutschland und Österreich und konnten die Ehre retten? Das Spiel gegen Algerien hatte Brisanz, denn es war gegen ihren ehemaligen Trainer. Es konnte sich jedoch nur ein Schweizer Trainer durchsetzen. Kurioserweise hatten sie bereits über eine Woche Pause seit ihrem letzten Spiel gehabt, wodurch sie gut ausgeruht waren. Bereits nach zehn Minuten gingen sie in Führung, und diese konnten sie später verdoppeln. Irgendwie mochten sie es, direkt nach Wiederanpfiff ein Tor zu erzielen. Für die Schweiz ging es somit ins zweite KO-Spiel – und damit weiter als für die Nachbarn. Es war der erste Sieg in einem KO-Spiel seit 88 Jahren.
Australien gegen Ägypten war eines der Spiele, wo mir ein Elfmeterschießen nichts ausmachte. Letztere gingen in Führung, doch dann folgte das Unglück: Jener Spieler, der bereits das Eigentor gegen Belgien verursacht hatte, traf erneut ins eigene Netz. Ohne dieses Tor wäre die Verlängerung erspart geblieben. Sogar der Torschütze zum Führungstreffer war derselbe wie gegen Belgien. Als hätte ich es heraufbeschworen, musste ein Elfmeterschießen her. Dafür wurde sogar in Niederlande-Manier ein Torwart ausgetauscht. Und dort versagten den Australiern die Nerven. Der asiatische Verband war somit komplett ausgeschieden.
Fast wäre Kap Verde gegen Argentinien im David gegen Goliath-Kampf die Sensation gelungen, doch dann brachte ausgerechnet ein Eigentor die Entscheidung. Ich hätte es ihnen wirklich gegönnt! Immerhin gut zu wissen, dass Argentinien doch Tore kassieren kann. Vielleicht wird es doch kein Selbstläufer.
Kolumbien reichte ein knapper 1:0-Sieg. Ein aberkanntes Tor fiel nicht zu stark ins Gewicht. Es war erst ihr zweites gewonnenes KO-Spiel.
Marokko hatte gegen Kanada bereits in der Gruppenphase der letzten WM gespielt. Damals hatte jedoch weniger auf dem Spiel gestanden. Die Gastgeber hatten scheinbar daraus gelernt und machten es Marokko anfangs schwer. Zu ihrem Unglück hatten sie auch früh die Verletzung eines Schlüsselspielers zu beklagen. In der zweiten Halbzeit konnten sie jedoch das Spiel für sich entscheiden.
Nach einer Wasserschlacht gegen Irak drohte Frankreich dieses Mal eine Hitzeschlacht. Und eine Schlacht wurde es im wahrsten Sinne des Wortes. Die Temperaturen sollten den Paraguayern eigentlich besser bekommen, doch die waren damit beschäftigt, den Gegner zu foulen und hatten Glück, ohne Karten davonzukommen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis eines dieser Fouls in einen Elfmeter resultierte. Dieser sollte reichen, und so war das erste Viertelfinale bereits ein echtes Brett. Es wäre eigentlich ein gutes Finale.
Norwegen ist das einzige Land, das noch nie gegen Brasilien verloren hat. Diese Theorie wurde nun erneut getestet. Die legten einen rasanten Start hin, doch er stand im abseits. Dann verschoss Brasilien einen Elfmeter. Achtzig Minuten lang hielt allein der norwegische Torwart Norwegen im Spiel. Dann durchbrachen sie den Bann. Zehn Minuten später verdoppelten sie die Führung. Ein weiterer Elfmeter für Brasilien kam zu spät, und so blieb Norwegen gegen sie weiterhin ungeschlagen. Brasiliens Fluch gegen europäische Gegner hielt an. Der verschossene Elfmeter würde sie noch länger beschäftigen.
Mexiko hatte den Heimvorteil und noch kein Gegentor kassiert. Beide Mannschaften legten fulminant los. Nach dem ersten Gegentor folgte nach nicht einmal hundert Sekunden das zweite. Es musste eins der schnellsten Doppelpacks jemals sein. Mexiko kam noch einmal zurück. Für beide Mannschaften gab es jeweils noch einen Elfmeter, der verwandelt werden konnte. England konnte trotz Unterzahl den Sieg über die Zeit retten und zog ins Viertelfinale ein. Das Trauma von 1986 war besiegt. Mexiko kam weiterhin nicht über das Achtelfinale hinaus und war in Tränen aufgelöst.
Mein Motto: Es ist mir egal, wer gewinnt – solange Spanien und Argentinien verlieren
Alle wollten das Duell der zwei Giganten. Stattdessen bekamen sie das iberische Derby. In diesem wechselte ich erstmals die Seiten. Zumindest hoffte ich, dass Spanien endlich mal ein Tor kassierte. Die Tore gegen Saudi Arabien waren zu einfach gewesen, das Tor gegen Uruguay bloß Glück und Österreich hatte das Verteidigen verlernt. Portugal dürfte fähig genug als Gegner sein. Vielleicht nahmen sie sich ja ein Beispiel an Kap Verde. Leider sollte sich mein Wunsch jedoch nicht erfüllen. Mir reichte es! Zu allem Überfluss war ihr Viertelfinalgegner viel zu einfach. USA oder Belgien würden sie kaum schlagen können. Und dafür verloren wir einen von Frankreich und Marokko. Ich hätte die beiden viel lieber in getrennten Viertelfinals. Es war einfach nicht fair!
Aufgrund der Kontroverse hätte sich meine Schwester überraschenderweise USA gegen Belgien angeschaut – wenn der Anpfiff nicht um zwei Uhr nachts wäre. Für Belgien war wahrscheinlich die ganze Welt. Diese hatten wohl ordentlich Wut im Bauch und zeigten ihre bisher beste Leistung des Turniers. USA hatten sich wohl eher selbst geschadet und somit war auch der letzte Gastgeber ausgeschieden.
Diese Bevorzugung von Argentinien ging mir sowas von auf die Nerven! Wie viel wollen die eigentlich noch geschenkt bekommen? Als wäre der leichte Turnierbaum nicht schon genug! Dabei hatte es mit Hoffnung begonnen. Meine Schwester informierte mich, dass Ägypten führte. Ein Lachen konnte ich mir nicht verkneifen! Als wir kurz einschalteten, erzielte Ägypten sogar scheinbar das zweite Tor. Ich konnte es kaum glauben. Geschah hier wirklich ein Wunder? Doch man sollte sich nie zu früh freuen. Das Tor zählte nicht – eine durchaus zweifelhafte Entscheidung. Dreißig Minuten verblieben, und ich glaubte, viel würde nicht mehr passieren. Ägypten konnte sogar wirklich noch die Führung ausbauen. Ich hatte allerdings vergessen, dass bei Argentinien scheinbar andere Regeln galten. Sie glichen nicht nur aus, sondern schossen noch das Siegtor – das eigentlich nicht zählen dürfte. Es ist zum Kotzen!
Beim nächsten Spiel befand ich mich in einem Zwiespalt. Ich würde mich für die Schweiz freuen, wenn sie endlich das Viertelfinale erreichten, jedoch traute ich Kolumbien gegen Argentinien mehr zu. Wieder einmal sollte sich mein Wunsch nicht erfüllen. Beide Mannschaften waren noch ungeschlagen. Nach neunzig torlosen Minuten musste Verlängerung her – die auch kein Ergebnis brachte. Ein Elfmeterschießen musste her, und das endete mit dem besseren Ende für die Schweiz. Ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Wäre mein Lieblingsschweizer dabei, würde ich es ihnen vermutlich mehr gönnen. Gegen Argentinien würden sie allerdings nichts ausrichten können.
Das erste Viertelfinale sorgte schon im Vorfeld für Aufruhr. Alle Schiedsrichter waren Argentinier. Eine Verschwörung? Die Sorgen waren letztlich unbegründet. Ein Elfmeter wurde zunächst verschossen. Doch in der zweiten Halbzeit entschied Frankreich mit zwei Toren in sechs Minuten das Spiel. Es war dasselbe Ergebnis wie beim Halbfinale der letzten WM.
Rot gegen Rot, Teufel gegen Furien hieß es im nächsten Spiel. Als ich gegen Ende der ersten Halbzeit zu meiner Schwester und Vater dazustieß, stand es 1:1. Spanien hatte somit endlich ein Gegentor kassiert. Danke, Belgien. Ein unfreiwilliges Highlight war, als zwei spanische Spieler mit ihren Köpfen zusammenstießen. Das sah wirklich komisch aus. Dramatisch wurde es, als sich der belgische Torwart verletzte und ausgewechselt werden musste. In einem möglichen Elfmeterschießen könnte das zum Problem werden. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Erneut hatte Spanien nur mit viel Glück ein Tor erzielt. Der Führungstreffer war auf ähnliche Weise passiert. Frankreich gegen Spanien hatte ich eigentlich nicht gewollt, somit war ich sehr unglücklich über das Ergebnis.