WM 2006

Erinnerungen an meine erste Fußball-WM

Es war Juni 2006. Ich war gerade neun Jahre alt geworden, als ein Turnier begann: Die Fußball-Weltmeisterschaft. Es würde das erste Mal sein, dass ich ein Turnier dieser Art im Fernsehen verfolgte. Zuvor hatte uns Fußball nicht sonderlich interessiert. Dieses Jahr war jedoch etwas anderes: Die WM fand im eigenen Land statt. Dementsprechend war die Stimmung etwas ganz besonderes. Das ganze Land war im WM-Fieber. Man musste sie einfach mitverfolgen. Es gab kaum einen, der nicht über sie redete. Und obwohl es mein erstes Turnier war, so waren mir doch viele Namen ein Begriff: Podolski, Schweinsteiger, Klose, Ballack – der Kapitän – Kahn, Lehmann... Mit die bekanntesten Spieler unserer Mannschaft. Andere wie beispielsweise Friedrich kannte ich durch  Werbung. (Kennt ihr noch die Nutella-Werbung mit den Fußballspielern? Das waren noch Zeiten) Doch sie waren nicht die einzigen. David Beckham war weltberühmt und auch die Namen Cristiano Ronaldo, Zinedine Zidane und Luca Toni waren mir nicht unbekannt. Viele Erinnerungen habe ich nicht an meine erste WM. Das wichtigste weiß ich jedoch: Italien wurde Weltmeister... und beendete Deutschlands WM-Traum im Halbfinale. Jedoch von Anfang an...

Viel habe ich von der WM nicht gesehen. Das glaube ich zumindest anhand meiner Erinnerung. Interessiert haben uns ohnehin nur die Spiele, in denen Deutschland mitspielte. Ob ich auch Spiele anderer Länder gesehen habe, daran kann ich mich nicht erinnern, bis auf eine Ausnahme. Ich weiß mit Sicherheit, dass ich ein Spiel der Ukraine gesehen habe. An dieses habe ich nämlich eine besondere Erinnerung dank meiner Schwester, und von Schevtschenko hatte ich im Vorfeld auch schon gehört. Außer diesem, dem Finale und den Deutschland-Spielen habe ich jedoch keine Erinnerungen an die WM.

Lahm war einer der Namen, die ich noch nicht kannte. Er setzte gleich ein Zeichen, indem er ein Tor schoss. Bemerkt hatte ich ihn jedoch aufgrund seines für Fußballspieler etwas unvorteilhaften Nachnamens. Auffällig war auch Schweinsteiger mit seiner eigenwilligen Haarfarbe, die wir als Knoblauch-Frisur bezeichneten. Wie jung sie damals alle noch waren... Ich erinnere mich gut daran, dass ich mir nach dem Spiel Deutschland gegen Ecuador die Frage stellte, was das eigentlich sei, denn es war das erste Mal, dass ich von diesem Land hörte. Noch viele Jahre später assoziierte ich es mit dem WM-Spiel. Ebenfalls in Erinnerung geblieben ist mir der Jubel unserers damaligen Trainers Klinsmann, wann immer ein Tor fiel. Spannend wurde es im Viertelfinale, als das Spiel durch Elfmeterschießen entschieden werden musste. Dieser Sieg brachte uns ins Halbfinale – und dieses sollte uns zum Verhängnis werden. Bitter war die Niederlage gegen Italien und sie kam so plötzlich, denn fast wäre es wieder zum Elfmeterschießen gekommen, bis kurz vor Ende die entscheidenden Tore fielen. Vorbei war der Traum, das Sommer-Märchen. Doch Deutschland hatte noch Hoffnung – im Spiel um Platz 3, um dem Sommer-Märchen ein schönes Ende zu geben. Und es gelang. Ich kann mich noch genau an die Reaktionen und Stimmung nach dem Spiel erinnern. Der dritte Platz fühlte sich an wie ein Sieg, auch wenn dieser zum Greifen nah gewesen war. Dass der Titel nicht im eigenen Land gewonnen werden konnte, hinterließ jedoch einen bittersüßen Beigeschmack. Es war das einzige Mal, dass ich Deutschland bei einer WM als einziges Team unterstützte.

Dann kam das Finale und über dieses würde man sich noch Jahre später unterhalten. Ob ich es gesehen habe, weiß ich nicht mehr genau. Unvergessen jedoch der Kopfstoß, der Zidane's letztes Spiel vorzeitig mit einer roten Karte beendete. Kein schöner Abschied. Ich fand den Kopfstoß damals lustig und habe die Situation nicht verstanden. Es ist die einzige Szene des Finales, an die ich mich erinnern kann, was mich zweifeln lässt, ob ich das ganze Spiel oder nur eine Zusammenfassung gesehen habe. An das Elfmeterschießen und die Siegerehrung habe ich keine Erinnerung und trotzdem glaube ich, dabei gewesen zu sein, da ich sofort wusste, dass Italien gewonnen hatte. Oder ich täusche mich und habe es erst später erfahren. Vielleicht hat mich die WM einfach nicht so sehr interessiert, als dass ich mich an sie erinnern kann. Aber sie wird immer etwas Besonderes sein als meine erste WM.