EM 2012

Im Juni 2012 war es wieder Zeit. Zeit für die Fußball-Europameisterschaft. Wie beim letzten Mal unterstützten wir drei Teams – doch zu Beginn der EM wurde meine Stimmung getrübt...

Warum ich bei der EM von Sehnsüchten geplagt war

Das Turnier startete mit einer Hiobsbotschaft, denn eine Schocknachricht erwartete mich. Mein Lieblingsspieler, der Grund, warum ich Spanien unterstützte, fiel verletzungsbedingt aus. Doch ich war nicht die einzige, die enttäuscht werden musste...

Am ersten Tag wurde es direkt Ernst für Russland. Doch im Tor stand ein anderer, was für meine älteste Schwester eine große Enttäuschung war. Wir beide mussten hinnehmen, dass unser Lieblingsspieler nicht bei der EM spielen würde (In ihrem Fall war er jedoch im Kader, allerdings nur als Ersatztorwart). Doch Russland wusste auch mit neuem Torwart, der meiner Schwester nicht ganz geheuer war, zu überzeugen. Ein souveräner Sieg begann das Turnier vielversprechend. Gegen Polen konnten sie jedoch nicht an ihre Leistung anknüpfen und nur ein Unentschieden erzielen. Das letzte Spiel war entscheidend für ihre Qualifikation in die KO-Phase. Zur Halbzeit stand es 0:0, bis die Griechen in der Nachspielzeit kurz vor Abpfiff ein Tor erzielten. Der Ausgleich wollte nicht mehr gelingen und somit war Russland ausgeschieden. Meine älteste Schwester gab dem Torwart die Schuld, dem sie nie etwas abgewinnen konnte.

Deutschland traf zum wiederholten Male auf Portugal und siegte knapp. Der nächste Gegner war mit den Niederlanden die Mannschaft, die mir am unsympathischsten war (und noch immer ist). Im WM-Finale gegen Spanien hatten sie ihr wahres Gesicht gezeigt. Zum Glück gelang uns ein, wenn auch knapper, Sieg gegen die Nachbarn. Einem weiteren Nachbarn, Dänemark, begegneten wir im letzten Gruppenspiel. Es war ein hart umkämpftes Spiel, an dessen Ende wir uns den Gruppensieg sichern konnten.

Am dritten Tag gab es die Neuauflage des Viertelfinals der EM 2008 zwischen Italien und Spanien – mit einem entscheidenden Unterschied: die legendäre Nummer 7 war nicht da. Ohne ihn war es einfach nicht dasselbe. Ich mochte die Mannschaft, weil er fehlte, sogar etwas weniger. Nachdem Italien in Führung gegangen war, feierte meine Schwester mit einem Insider das Ausgleichstor der „falschen Neun“, Fabregas. Dieser Insider war während der letzten EM oder WM entstanden und ausnahmsweise mein Verdienst, allerdings ist es eine andere Geschichte. Gegen Irland gelang Spanien ein deutlicher Sieg. Ich freute mich zwar für sie, hatte aber immer noch mit meiner Sehnsucht zu kämpfen, die übertriebende Ausmaße annehmen würde. Das letzte Gruppenspiel endete denkbar knapp beinahe in einem torlosen Unentschieden, ehe ein spätes Tor den Gruppensieg brachte. Das schoss allerdings Navas, den meine Schwester nicht leiden konnte. Ich vermisste die legendäre Nummer 7 immer noch, und es wurde so heftig, dass ich mir einbildete, jemanden mit dieser Rückennummer auf dem Platz stehen zu sehen, obwohl derjenige gar nicht spielte. Um mich zu vergewissern, dass ich nicht den Verstand zu verlieren drohte, fragte ich meine Schwester, ob sie es auch sah, was sie sogleich bejahte. Ich war froh, dass ich nicht die einzige war, die halluzinierte. Es war nicht der Spieler mit der berüchtigten Rückennummer – er saß bei den Gruppenspielen auf der Bank –, sondern ein anderer, dessen Trikot sich so verformt hatte, dass die Nummer wie eine 7 aussah. Wer es war, haben wir nie herausgefunden. Bis vor kurzem wusste ich noch nicht einmal, wer die Nummer 7 übernommen hatte.

Stark in Erinnerung geblieben war mir auch ein Spiel der Ukraine, das wegen eines Unwetters sogar unterbrochen werden musste. Genutzt hatte es nichts, da sie das Spiel verloren und am Ende, wie der andere Gastgeber Polen auch, aus dem Turnier ausschieden.

Im Viertelfinale traf Deutschland auf die Mannschaft, die gegen Russland gewonnen hatte: Griechenland. Vielleicht hatte Russlands Ausscheiden auch etwas Gutes, so mussten sie nämlich nicht gegen Deutschland spielen. Das würden wir nämlich nicht durchstehen. Ausnahmsweise drückte ich Deutschland die Daumen, hatte ich mich in den letzten beiden Turnieren von ihnen abgewandt und sie nur zum Schein unterstützt. Nach einem zwischenzeitlichen Unentschieden konnten wir Griechenland besiegen. Für uns war es zugleich die Rache für Russland.

Spaniens Gegner fürs Viertelfinale war Frankreich, und in diesem Spiel wurde sogar die neue Nummer 7 eingewechselt. Das musste mir jedoch entgangen sein, da ich keinerlei Erinnerung daran habe. Ich hätte doch garantiert etwas gesagt, sobald ich es bemerkt hätte. Wir wussten beide nicht einmal, wer überhaupt diese Nummer bekommen hatte. Jedoch waren wir uns einig, dass derjenige, wer auch immer es war, unwürdig war, sie zu tragen. Es war schlichtweg unmöglich, ihn würdevoll zu vertreten. Am Ende konnte sich Spanien durchsetzen und so das dritte Halbfinale in Folge erreichen.

Dort erwartete uns der Angstgegner: Italien. Noch nie konnten wir gegen sie gewinnen. Und auch dieses Mal würden sie uns zum Verhängnis werden. Zum zweiten Mal nach der WM 2006 scheiterten wir in einem Halbfinale an Italien. Es war zudem das dritte verlorene Halbfinale in sechs Jahren.

Das iberische Derby ging in die nächste Runde. Es wollte jedoch kein Tor gelingen und so musste das Elfmeterschießen entscheiden. Meine Schwester kam ordentlich ins Schwitzen, doch der Kapitän zeigte sich sicher wie eh und je, und so würde es zur Neuauflage des ersten Gruppenspiels der Gruppe C kommen. 

Die beiden letzten Weltmeister kämpften um den Titel des Europameisters und ich war erstmals so richtig auf Spaniens Seite, einfach weil die Italiener unsympathisch waren und zudem unser Ausscheiden zu verschulden hatten. Spanien ging früh in Führung und erspielte am Ende den höchsten Sieg, den es bei einem EM-Finale jemals gab. So sehr ich mich auch freute, dass Spanien mit ihrem dritten Titel in Folge Geschichte schrieb – ohne die legendäre Nummer 7 hatten sie ihn nicht verdient. Er war sogar beim EM-Finale anwesend, leider jedoch nicht als Spieler, sondern nur als Zuschauer. Nach dem Abpfiff war er in einer kurzen Sequenz in den Katakomben zu sehen, was ich mit gemischten Gefühlen aufnahm. Er sah eigentlich fit aus, was mich wundern ließ, ob es wirklich notwendig war, ihn aus dem Kader zu streichen. Es war das erste Mal, dass ich mir die Frage stellte, warum nur die Spieler einen Titel gewannen, die in den Kader berufen wurden. Einerseits ist es logisch, da sie schließlich den Titel erspielt haben, andererseits ist es aber auch unfair den Spielern gegenüber, die in der Qualifikation mitgespielt haben, jedoch nicht zur EM mitfahren durften. So wie er. In der Qualifikation war er noch der beste Torschütze gewesen und war mittlerweile sogar der Rekordtorschütze Spaniens. Warum musste ausgerechnet er sich verletzen? Hätte es nicht jemand anderes treffen können? (David Silva zum Beispiel?) Er hätte es verdient, zwei Europameisterschaften zu gewinnen. Viel mehr als manch anderer. Das ist einfach nicht fair.

Warum es nicht jeder verdient hat, doppelter Europameister zu sein

Tatsächlich sind es nur elf Spieler, die alle drei Titel gewinnen konnten. Zumindest drei davon jedoch zu Unrecht. Zum einen Arbeloa, der bei der WM nur eine sehr kurze Einsatzzeit hatte, und Albiol, der in dieser kein einziges Spiel gespielt hatte, zum anderen Silva, der bei demselben Turnier nur zweimal zum Einsatz kam. (Letzteren kann ich übrigens ohne spezifischen Grund nicht leiden, weshalb ich hier etwas parteiisch bin. Hierbei wurde ich von meiner Schwester beeinflusst, die ihn ebenfalls nicht mag.) Wenn dessen Namensvetter, der bei der EM und WM sowie EM-Qualifikation der beste Torschütze Spaniens war, nicht zweifacher Europameister werden durfte, dann haben sie es erst Recht nicht verdient. Wären sie nicht bei allen drei Turnieren dabei gewesen, würde ich es wahrscheinlich nicht so ungerecht finden. Die anderen Spieler, die alles gewonnen haben sind natürlich der Kapitän, Iniesta, Xavi, Alonso, Ramos, Torres, Fabregas und Reina. Bei letzterem ist es debattierbar, ob es gerecht ist, aber Torhüter stellen immer einen Sonderfall dar, da in der Regel nur einer von ihnen eingesetzt wird. Der einzige von ihnen, der es wirklich verdient hat, ist Casillas. Direkt nach ihm hat es die legendäre Nummer 7 jedoch am zweitmeisten verdient, auch weil er der Rekordtorschütze ist. Sie haben beide so viel für die Mannschaft geleistet, der eine mit seinen Paraden, mit denen er Gegentore verhinderte, der andere mit seinen Toren, die sie zum Sieg führten, und spielten essentielle Rollen bei den ersten beiden Titelgewinnen, dass es einfach gerechtfertigt wäre. Ohne den letzteren wären sie bei der WM wahrscheinlich nicht siegreich gewesen, schließlich hatte er die Mehrheit ihrer Tore erzielt. Aufgrunddessen verwundert es mich, dass sie trotz seiner Abwesenheit überhaupt gewinnen konnten. Aber hatte er wirklich nicht spielen können? Er war nicht 100% fit für die EM, na und? Torres war es bei der WM auch nicht und trotzdem nominiert worden. Von mir aus hätte er auch nur auf der Bank sitzen können, es hätte mich nicht gestört. Er mag zwar offiziell nicht Teil des Kaders gewesen sein, für mich ist er trotzdem zweifacher Europameister, allein schon aus dem Grund, dass er die meisten Tore in der Qualifikation schoss. Er war beim Finale dabei, das lasse ich jetzt einfach mal gelten Außerdem glauben viele es fälschlicherweise. Am Ende ist es aber doch egal, wie oft man gewonnen hat. Wenn man einmal Europameister geworden ist, dann bleibt man es auch, weil Titel einem nicht zu nehmen sind. Ob man jetzt einmal oder zweimal gewonnen hat, macht keinen Unterschied. Sieger der Herzen, und das zählt.
 
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